Menschen mit Behinderungen zahlen den Preis – mit leeren Versprechen, harten Einschnitten und dem Schweigen der Politik. Teilhabe ist kein Luxus. Sie ist ein Recht.
Die Bundesregierung hat die Erhöhung des Werkstatt-Entgelts angekündigt. Laut und deutlich. Medienwirksam. Aber im Haushalt 2026 ist kein einziger Euro dafür hinterlegt.
Das bedeutet: Über 300.000 Menschen, die täglich in Werkstätten für Menschen mit Behinderungen arbeiten, gehen leer aus. Sie schrauben, sortieren, verpacken – und bekommen am Ende des Monats einen Betrag, der weit unter dem Mindestlohn liegt. Und jetzt auch noch: keine Verbesserung in Sicht.
Ein Versprechen ohne Deckung ist kein Versprechen. Es ist eine Lüge.
Durchschnittlich 228 Euro pro Monat erhalten Werkstattbeschäftigte als Entgelt. Kein Mindestlohn. Kein Urlaubsgeld. Keine echte soziale Absicherung.
Und das Versprechen der Erhöhung? Im Haushalt 2026 nicht finanziert.
„Wir arbeiten. Wir leisten. Wir werden trotzdem vergessen." — Stimme aus einer Werkstatt für Menschen mit Behinderungen
Menschen mit Behinderungen sind keine Bittsteller. Sie sind Bürgerinnen und Bürger mit verfassungsmäßig garantierten Rechten. Die aktuelle Haushaltspolitik behandelt sie wie eine Ausgabenposition – nicht wie Menschen.
Der Wegfall der Leistungen bei Pflegegrad 1 klingt nach einer technischen Haushaltsmaßnahme. Für Menschen mit Behinderung ist es ein direkter Angriff auf ihre Selbstständigkeit.
Gerade Menschen mit geistiger oder körperlicher Behinderung sind überdurchschnittlich häufig in Pflegegrad 1 eingestuft – oder knapp unterhalb der Schwelle. Sie brauchen regelmäßige Unterstützung, aber keine Vollpflege.
Entfällt Pflegegrad 1, verlieren sie Ansprüche auf Pflegegeld, Beratung, Wohnraumanpassung und Entlastungsleistungen. Leistungen, die oft das Zünglein an der Waage zwischen selbstbestimmtem Leben und Heimunterbringung sind.
Gleichzeitig wird die Begutachtung durch den MDK verschärft. Wer bisher knapp einen Pflegegrad erreichte, fällt nun durch. Menschen, die Unterstützung brauchen, werden plötzlich als „nicht pflegebedürftig" eingestuft.
Wer heute mit Pflegegrad 1 Anspruch auf einen Pflegedienst am Morgen hat, könnte diesen Anspruch verlieren. Was dann? Warten auf Angehörige. Oder im schlimmsten Fall: im Bett bleiben.
Viele pflegende Angehörige von Menschen mit Behinderung sind bereits jetzt am Rand ihrer Kräfte. Wenn staatliche Leistungen wegfallen, übernehmen sie die Lücke – ohne Lohn, ohne Anerkennung, ohne Pause.
Stationäre Einrichtungen und ambulante Dienste müssen mehr leisten – mit weniger Geld. Das bedeutet: weniger Personal, weniger Zeit, weniger Würde für jeden Einzelnen.
Die Eingliederungshilfe ist der Kern der Unterstützung für Menschen mit Behinderung in Deutschland. Sie finanziert Wohnplätze, Tagesstrukturen, Assistenz, Werkstätten. Und sie liegt in der Verantwortung von Ländern und Kommunen.
Die Kosten für Eingliederungshilfe steigen seit Jahren – demografisch bedingt, weil immer mehr Menschen Unterstützung brauchen. Gleichzeitig geraten Kommunen durch wegfallende Bundesleistungen und steigende Eigenanteile in der Pflege unter massiven Druck.
Das Ergebnis: Kommunen kürzen. Und sie kürzen zuerst dort, wo der Widerstand am geringsten ist.
Menschen mit schwerer Behinderung, die sich nicht selbst organisieren können. Die keine starke Lobby haben. Die nicht demonstrieren können. Die schweigen – nicht weil ihnen nichts fehlt, sondern weil niemand fragt.
Genau diese Menschen treffen die Kürzungen zuerst und am härtesten.
Menschen, denen das versprochene Lohnplus im Haushalt 2026 fehlt
Pro Monat – weit unter jedem Mindestlohn
von Eingliederungshilfe in Deutschland – alle betroffen
für die versprochene Werkstatt-Entgelt-Erhöhung im Haushalt 2026
Hinter jeder Zahl steht ein Mensch. Ein Leben. Eine Familie. Eine Fachkraft, die täglich kämpft.
Artikel 3 des Grundgesetzes. Die UN-Behindertenrechtskonvention. Das Bundesteilhabegesetz. All das garantiert Menschen mit Behinderung das Recht auf volle gesellschaftliche Teilhabe.
Wenn Teilhabe davon abhängt, ob gerade Geld im Haushalt ist – dann ist sie keine Garantie. Dann ist sie ein Almosen.
Werkstattbeschäftigte leisten echte Arbeit – sie verdienen ein echtes Entgelt, kein Taschengeld.
Wer Unterstützung braucht, hat Anspruch darauf – unabhängig davon, ob er sich lautstark wehren kann.
Einrichtungen und ambulante Dienste müssen so finanziert sein, dass echte Wahlfreiheit möglich bleibt.
Teile diese Informationen. In deiner Familie, in deinem Netzwerk, in sozialen Medien. Schweigen schützt nicht die Betroffenen – es schützt die Untätigkeit der Politik.
Bundestagsabgeordnete sind wählbar. Sie reagieren auf Druck aus dem Wahlkreis. Eine E-Mail, ein Brief – beides zählt. Sag ihnen, was du siehst und was du forderst.
Unterstützt unsere Demo am 10. September!
Lokale Medien berichten, wenn Betroffene bereit sind zu sprechen. Gesichter und Geschichten verändern mehr als Statistiken. Jede Geschichte zählt.
Die Vergessenen der Reform